Gesamtausgabe Bd. 1: Das Wesen der Materie nach Kant's Physischer Monadologie u.a.

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  • Verlag: Suhrkamp
  • 21.02.2000
  • Buch
  • 527 Seiten
  • kartoniert
  • ISBN: 978-3-518-28401-8
Der vorliegende Band umfaßt die frühesten Publikationen Georg Simmels überhaupt: die monographisch erschienene Dissertation (1881) und die beiden umfänglichen Abhandlungen aus der „Zeitschrift für Völkerpsychologie und Sprachwissenschaft von 1882 und 1884. Hinzu kommen (fast) sämtliche von ihm verfaßten Rezensionen (1883- 1901), deren große Mehrzahl auch den frühen Schriften zugezählt werden können. (...) Für die Zusammenstellung der frühen Schriften mit den Rezensionen bis zum Jahre 1901 sprach nicht nur die zeitliche Zuordnung zum „jungen Simmel“, sondern auch, daß diese Textgattung ganz eigene editorische und bibliographische Bemühungen erforderte. (...) Was die Textgestaltung angeht, so werden originale Orthographie und Interpunktion geboten.»Lässt sich überhaupt constatiren, dass das Jodeln, ähnlich manchem Schnadahüpfeln, eine Verständigung zwischen Bursche und Dirne ist, wenn auch nicht mit directen Zwecken, wie der Paarungsruf der Thiere, so doch ein Zeichen gegenseitiger Neigung oder Einverständnisses? Oder dient es auch nur von einer Seite ähnlichen Zwecken? Wie wichtige Factoren bei der Ausübung des Jodelns bilden die Gewohnheit, die Lust an der Sache und der Ehrgeiz (auch vor dem anderen Geschlecht), vollkommener als die Andern zu jodeln?« (Zitat nach Georg Simmel: Fragen über das Jodeln, GSG: Bd. 1)

Georg Simmel wurde am 1. März 1858 in Berlin als jüngstes von sieben Kindern des Fabrikanten Edward Simmel und dessen Frau Flora (geb. Bodenstein) geboren und starb am 26. September 1918 in Straßburg. Die Familie ist jüdischer Herkunft, beide Elternteile traten jedoch schon früh zum christlichen Glauben über. Georg Simmel wurde evangelisch getauft. Von 1876 bis 1881 studierte er an der Berliner Universität Geschichte, Völkerpsychologie und Philosophie. Seine erste Promotionsschrift Psychologisch-ethnologische Studien über die Anfänge der Musik wurde von dem Philosophiehistoriker Zeller und dem Physiker Helmholtz wegen formaler Fehler und »zu gewagter« Thesen abgelehnt. Als Dissertation wird jedoch die prämierte Abhandlung Darstellung und Beurteilungen von Kants verschiedenen Ansichten über das Wesen der Materie akzeptiert. Nach Überwindung weiterer Hindernisse wurde er 1885 mit der Schrift Kantische Studien im Fach Philosophie habilitiert und an der Berliner Universität zum Privatdozenten ernannt. Mit der öffentlichen Antrittsvorlesung »Über das Verhältnis des ethischen Ideals zu dem logischen und dem ästhetischen« begann er seine sehr erfolgreichen Veranstaltungen, die auch gesellschaftlich große Resonanz fanden. Trotz seines akademischen Erfolgs wurde Simmel mit antisemitischen Ressentiments konfrontiert. So wurde 1898 sein erster Antrag auf Erteilung eines Extraordinariats vom Kultusministerium abgelehnt. 1908 scheiterte seine Berufung auf die zweite Professur für Philosophie in Heidelberg trotz der Empfehlungen von Max Weber und Eberhard Gothein am antisemitischen Gutachten des im Alldeutschen Verband engagierten Berliner Historikers Dietrich Schäfer (1845-1929). Heute gilt Simmel als einer der wichtigsten und faszinierendsten Vertreter der Soziologie des 20. Jahrhunderts, der entscheidend zur Formierung dieser Disziplin als eigenständiger Wissenschaft beigetragen hat.