Extrem unbrauchbar

Über Gleichsetzungen von links und rechts
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  • Verlag: Verbrecher
  • 23.10.2019
  • Buch
  • 304 Seiten
  • Paperback
  • ISBN: 978-3-95732-408-5

Rechtspopulistische Strömungen finden auf ihrem Feldzug gegen die Demokratie ein mächtiges begriffliches Mittel vor, welches ihnen die bürgerliche Mitte vorbereitet hat: die Extremismustheorie. Gewonnen aus einer spezifischen Lesart totalitarismuskritischer Arbeiten, etwa von Hannah Arendt, hat sich im Sprechen über die Gesellschaft ein Hufeisenmodell durchgesetzt: Eine Mitte der Gesellschaft werde von ihren Rändern bedroht. Islamismus, Rechtsextremismus und Linksextremismus arbeiten daran, die Demokratie zu zerstören. Doch besonders die Gleichsetzung von Rechtsextremismus und Linksextremismus führt oft dazu, ersteres auf Kosten von letzterem zu verharmlosen. Zudem ist die Konstruktion einer gesellschaftlichen Mitte selbst problematisch. Was gehört zu dieser Mitte, was nicht? Gerade die aktuellen Erscheinungsformen rechter Ideologien zielen darauf ab, gerade noch anschlussfähig zum gesellschaftlichen Diskurs zu bleiben und ihn durch kalkulierte Grenzverletzungen nach rechts zu verschieben – mit einigem Erfolg, Stichworte: »Flüchtlingswelle«, »Genderismus« oder »political correctness«. Doch wenn selbst der positive Bezug auf das Grundgesetz teilweise als linksradikal diskutiert wird, desavouiert sich dieses Hufeisenmodell endgültig.

Mit Beiträgen von Eva Berendsen, Katharina Rhein, Tom Uhlig, Wolfgang Wippermann, Daniel Keil, Dana Ionescu, Ingolf Seidel, Meron Mendel und Deborah Krieg, Robin Koss, Kira Ayyadi, Maximilian Pichl, Sarah Schulz, Lillemor Kuht, Jonas Fedders, Charlotte Busch und Julia König, Paula Irmschler, Leo Fischer, Saba-Nur Cheema

Eva Berendsen ist Politikwissenschaftlerin und leitet nach einem Redaktionsvolontariat bei der FAZ den Bereich Kommunikation der Bildungsstätte Anne Frank. Zusammen mit Saba-Nur Cheema und Meron Mendel hat sie den Sammelband »Trigger Warnung. Identitätspolitik zwischen Abwehr, Abschottung und Allianzen« (Verbrecher Verlag, 2019) herausgegeben.

Katharina Rhein ist Ko-Leiterin der Forschungsstelle NS-Pädagogik an der Goethe-Universität und war bis Ende 2018 Mitarbeiterin der Bildungsstätte Anne Frank. Nach ihrem Studium in Erziehungswissenschaften und Soziologie hat sie zum Thema »Erziehung nach Auschwitz in der Migrationsgesellschaft. Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus als Herausforderungen für die Pädagogik« promoviert.

Tom David Uhlig hat u. a. Psychologie in Frankfurt studiert, ist Mitarbeiter der Bildungsstätte Anne Frank, wo er die Ausstellung »Das Gegenteil von gut. Antisemitismus in der deutschen Linken seit 1968« kuratierte, und Mitherausgeber der Zeitschrift für psychoanalytische Sozialpsychologie »Freie Assoziation« sowie der »Psychologie & Gesellschaftskritik«.