Die Geburt der Dritten Welt

Hungerkatastrophen und Massenvernichtung im imperialistischen Zeitalter
20,60 EUR
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  • Verlag: Assoziation A
  • 01.11.2019
  • Buch
  • 464 Seiten
  • Paperback
  • ISBN: 978-3-935936-43-9

Ende des 19. Jahrhunderts zerstörten Dürren ungeheuren Ausmaßes wiederholt die Ernährungsgrundlagen in den Teilen der Erde, die später als »Dritte Welt« bezeichnet wurden.

Zwischen 1876 und 1879 sowie zwischen 1896 und 1900 starben in als klimabedingt definierten Hungerskatastrophen und nachfolgenden Epidemien in Äthiopien, Indien, China und Brasilien zwischen dreißig und sechzig Millionen Menschen. Als unmittelbarer Auslöser dieser ungeheuerlichen Massenvernichtung wurden in der Wissenschaft Wetterphänomene wie El Nino verantwortlich gemacht. Doch die Natur allein ist selten so tödlich.

Mike Davis legt in seiner einzigartigen politischen Ökologie des Hungers die Hintergründe zwischen Weltklima und Weltökonomie im imperialistischen Zeitalter frei, die zur »Geburt der Dritten Welt« führten und bis heute nachwirken.

»Wir haben es mit anderen Worten nicht mit ›Hungerländern‹ zu tun, die im Brackwasser der Weltgeschichte ins Abseits gerieten, sondern es geht um das Los der Menschheit in den Tropen, das sich just zu einem Zeitpunkt (1870-1914) änderte, als deren Arbeitskraft und Produkte zwangsweise in die Dynamik der von London gesteuerten Weltwirtschaft integriert wurden. Millionen starben nicht außerhalb des ›modernen Weltsystems‹, sondern im Zuge des Prozesses, der sie zwang, sich den ökonomischen und politischen Strukturen anzupassen. Sie starben im golden Zeitalter des liberalen Kapitalismus; viele wurden, wie wir sehen werden, aufgrund der dogmatischen Auslegung der orthodoxen Prinzipien von Smith, Bentham und Mill regelrecht ermordet.«

Auszeichnung mit dem »World History Association Book Award« 2002

Platz 3 der Sachbuchbestenliste, September 2004

Buch des Monats, konkret, Oktober 2004

Bücher des Monats, Literaturen, November 2004

Mike Davis’ Hauptinteresse als Autor und marxistischer Historiker galt lange Zeit der Stadtentwicklung und insbesondere der kalifornischen Metropole Los Angeles. International bekannt geworden ist er 1990 mit seinem Bestseller City of Quartz, einer faszinierenden Chronik der Sozialgeschichte und gleichzeitig einem apokalyptischen Zukunftsszenario der City of Angels.

1946 in Fontana, einem Vorort von LA, geboren und aufgewachsen, unterbrach er im Alter von 16 Jahren zunächst die High School, um als Arbeiter in einer Fleischfabrik zum Unterhalt seiner Familie beizutragen. Anfang der 1960er Jahre studierte er kurze Zeit in Oregon, wurde Mitglied der Students for a Democratic Society (SDS), trat der Kommunistischen Partei bei und leitete deren Buchladen in LA, bis er 1969 vom regionalen Parteivorsitz gefeuert wurde (weil er den russischen Kulturattaché aus dem Laden gejagt hatte.) In den folgenden vier Jahren arbeitete er als LKW-Fahrer an der Westküste, bis er sich entschied, seine akademische Ausbildung an der University of California Los Angeles (UCLA) fortzusetzen. Neben Geschichte und Wirtschaft an der UCLA studierte er irische Geschichte in London, Edinburgh und Belfast und setzte sich dort für die nordirische Unabhängigkeit ein. Von 1980 bis 1986 arbeitet Davis im Londoner Büro der Zeitschrift New Left Review, gründete die Haymarket Series des Verso Verlages, die sich auf radikale Studien über die nordamerikanische Politik und Kultur spezialisierte und veröffentlichte sein erstes Buch Prisoners of the American Dream (deutsch: Phönix im Sturzflug/Rotbuch 1986) über die US-amerikanische Arbeiterklasse.

1987 kehrte er nach Los Angeles zurück, wo er zunächst erneut als Trucker, später u.a. als freier Autor und Dozent am Southern Institute of Architecture arbeitete, sich für ein Friedensabkommen zwischen den verfeindeten Jugendgangs einsetzte und bis Ende der 1990er Jahre mehrere Bücher (City of Quartz, Ecology of Fear [dt.: Ökologie der Angst, Antje Kunstmann Verlag 1999], Dead Cities) veröffentlichte, die zu zahlreichen Kontroversen führten. Nach der Auszeichnung mit einem MacArthur Fellowship verkaufte er sein Haus in Pasadena und zog sich mehrere Jahre auf Papa'aloa (Hawaii) zurück, um dort seine Arbeiten für das Buch “Geburt der Dritten Welt” zu beenden.

Seit Juni 2002 hat Mike Davis eine Professur am Department of History an der University of California in Irvine (UC Irvine) inne. Er lebt zusammen mit seiner Frau, der mexikanischen Künstlerin Allessandra Moctezuma, und seiner Tochter zurzeit in San Diego.

Im Dezember 2008 wurde Mike Davis als "einer der interessantesten und vielseitigsten Urbanisten unserer Zeit" mit dem in jenem Jahr erstmals verliehenen Kulturpreis der Universitätsgesellschaft in München ausgezeichnet. Die Rede des Preisträgers, der sich selbst als einen "in die Jahre gekommenen Sozialisten, der nach wie vor mit derselben Inbrunst an die Selbstemanzipation der Arbeiter glaubt wie Gouverneurin Sarah Palin an die Karibujagd", bezeichnet, ist unter dem Titel Wer wird die Arche bauen bei Telepolis nachzulesen.